Was wurde eigentlich aus Folk-Nachwuchsstar Jake Bugg?

Von

am

Seit etwa ein bis zwei Jahren fällt mir auf, dass ich offensichtlich den Anschluss in Sachen Musik verpasse. Wenn nicht gerade von Taylor die Rede ist, muss man mir mittlerweile langatmig erklären, wer Nina Chuba oder Bad Bunny sind (und zwar nachdem er auf dem Superbowl war). Stattdessen reife ich ganz klischeebehaftet und entdecke, was ich eh schon kenne: So kürzlich geschehen mit Jake Bugg, den mir Spotify auf einmal wieder vorschlug.

2012 war Bugg einen Sommer lang die Folk-Stimme seiner Generation. Der damals 18-Jährige kam aus Nottingham, war entzückend schmächtig und hatte neben einer Lederjacke die Stimmbänder von Bob Dylan. „Lightning Bolt“ lief im Radio rauf und runter und alle Songs der gleichnamigen Platte waren selbstgeschrieben. Nichts stand einer Musikerkarriere im Wege, die er dann auch beschritt. Nur dass die Welt, also namentlich ich, nichts davon mitbekam.

Foto: RCA Records/Sony Music Entertainment

Tatsächlich hat Bugg nahezu ununterbrochen bis heute Musik produziert: Auf sein erstes Album folgten noch fünf weitere, das jüngste davon 2024. „A Modern Day Distraction“ enthält in der Deluxe-Variante von 2025 insgesamt 16 Songs. Davon klingt auf höchst angenehme Weise keiner bemüht, an den ersten Erfolg anzuknüpfen. Der Eingang mit „Zombieland“ und „All Kinds of People“ lassen den ganz jungen Jake, heute 32, noch erahnen, wirken aber deutlich rocklastiger und melodischer, was den Sound paradoxerweise poppiger macht als früher.

Nicht mehr betont kratzig

Gitarre und Stimme stehen zwar immer noch im Mittelpunkt. Beides klingt allerdings weniger kratzig als noch vor 14 Jahren. Die Tracks „Never Said Goodbye“, „I Wrote the Book“ und „Kiss Like the Sun“ haben ungewohnt eingängige Refrains, bleiben aber ihren Folk- und Countrywurzeln treu. Auch die Themen haben sich, wie zu erwarten, verändert: Anstelle von Rebellion ist heute Nachdenken über Zwischenmenschliches und Verantwortung angesagt.

Interessant ist ein Interview, das der Sänger 2024 dem Guardian gab. Er spricht darin über Selbstzweifel und den Druck, nach einem erfolgreichen Debüt ständig gegen das frühere Ich antreten zu müssen. Was ein bisschen lustig klingt – als hieße die Konkurrenz im Britpop nicht Gallagher oder Alex Turner – aber man will ihm hier nichts absprechen. Jake Buggs neueren Musik glaubt man jedenfalls anzuhören, dass der Druck kleiner geworden ist, denn im Vergleich zu „Lightning Bolt“ wirkt sie schlicht entspannter.

Im Sommer 2026 auf Festivals in Europa

Auch live ist Bugg weiterhin präsent und spielt auf Festivals in Europa. In diesem Jahr ist er für das Poolbar Festival (8. Juli bis 16. August) im österreichischen Feldkirch angekündigt, danach für das Tonder Festival in Dänemark (26. bis 29. August).

Die Antwort auf die Frage, was aus ihm geworden ist, fällt also erfreulich unspektakulär aus: Er macht noch Musik, und wer möchte, kann sich gegen Eintrittsgeld aus nächster Nähe davon überzeugen. Für ein ehemaliges Wunderkind wohl die beste Nachricht überhaupt.

Vorschaubild: RCA Records/Sony Music Entertainment

Entdecke mehr von SCHÖNFREMD

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen