Glen Hansard ist tot. Mit dieser Nachricht endete meine Woche und ich war geschockt. Mit nur 56 Jahren ist er am 29. Juli bei einem Motorradunfall bei Dublin ums Leben gekommen. Wie schrecklich muss das für seine Frau und seinen dreijährigen Sohn sein. Man mag es sich nicht ausmalen. Vielleicht ist es zumindest ein kleiner Trost, dass der irische Musiker zahlreiche Menschen mit seiner Musik beruhigt hat und dies auch über seinen Tod hinaus tun wird.
Denn Glen Hansard hatte ein unglaubliches Talent, mit seiner Musik Geschichten zu erzählen, und stand damit auch für die ausgeprägte Musikszene in Irland und für deren Herzlichkeit.
Ich selbst bin 2011 auf ihn aufmerksam geworden. Damals hatte ich das Privileg, in Maynooth, etwa eine Autofahrstunde von Dublin entfernt, zu studieren. Wir wurden dort von irischen Studentinnen und Studenten in Empfang genommen und in einer der ersten Begrüßungsveranstaltungen wurde der Film „Once” gezeigt.
Dieser Film und vor allem die von Glen Hansard und Markéta Irglová komponierte und gesungene Musik war für mich der Beginn einer großen Liebe, die bis heute anhält: die Liebe zu Irland. Noch heute befindet sich „Falling Slowly” in meiner Playlist und hat zurecht 2008 den Oscar für „Best Song“ erhalten.
Abschied nehmen von Glen Hansard
In den sozialen Medien häufen sich Videos, wie Gruppen von Menschen gerade diesen Song in den Straßen von Dublin singen, um sich so von Glen Hansard zu verabschieden. Sie haben Tränen in den Augen, obwohl sie den Sänger, Songwriter, Gitarristen und Schauspieler womöglich nie getroffen haben. Das ist es eben, was Musik ausmacht. Sie berührt Menschen, verknüpft sich mit positiven wie negativen Ereignissen und hilft uns dabei, mit diesen umzugehen. Das hat auch Glen Hansard geschafft. Und wer weiß, vielleicht hat der ein oder andere ihn doch gekannt, wenn auch „nur” als Straßenmusiker. Denn so begann er, wie viele irische Künstler, seine musikalische Karriere. Diesen Wurzeln blieb er bis zum Schluss treu.
Hansards Einsatz für Obdachlose
Der irische Musiker Hozier beispielsweise schreibt über ihn: „He was a uniquely central feature and vessel of Irish story telling on both stage, screen and street.” Er sei ein unlösbarer Teil der irischen Musik, so Hozier weiter. Glen Hansard war allerdings noch so viel mehr als nur seine musikalischen und filmischen Erfolge. Er war Ehemann, Vater, Sohn, Bruder, Freund, Wegbegleiter und dafür bekannt, zurückzugeben. Vor allem für Obdachlose setzte sich der 56-Jährige seit jeher ein. 2010 beispielsweise startete er eine jährliche Weihnachtsaktion in Dublin, bei denen Größen wie Bono, Shane McGowan, Gavin James, Dermot Kennedy oder auch Sinéad O’Connor teilnahmen. Gemeinsam musizierten sie entlang der Grafton Street, um Geld zu sammeln.
Die Simon Community, eine britisch-irische Wohltätigkeitsorganisation, die Obdachlosen hilft, erklärt gegenüber BBC: „Glen’s talents will indeed be his legacy but so too will his commitment to social justice. We will be forever indebted to him for the difference he made in the lives of the people we serve.“
Glen Hansard konnte nicht nur Musik komponieren, die mitten ins Herz geht, er sang von Herzschmerz, Liebe, Zweifel, Rückschlägen und das Leben in Irland – und das spürt man bis ins Mark in seiner Stimme. All das wird bleiben und hoffentlich seinem Kind ein Stück Papa im Leben erhalten.
Trauerfeier auch für Fans
Am 4. August findet Glen Hansards Beerdigung in der Saint Patrick’s Cathedral in Dublin statt. Für die Öffentlichkeit wird die Beerdigung mit Lautsprechern und vermutlich Bildschirmen nach draußen übertragen. Zudem wird sie bei RTE News und RIP.IE gezeigt. Am Montag zuvor gab es zudem eine öffentliche Totenwache in der Baroque Chapel im Irish Museum of Modern Art. Dort wird der Ire aufgebahrt, für alle, die sich verabschieden und Respekt zollen möchten.
Auch hier zeigt sich Hansards Lebensaufgabe, zurückzugeben. Denn statt Blumen und Geschenken bittet die Familie, Spenden a die Simon Community oder Ukrainian Action zu tätigen.
Vorschaubild: Glen Hansard beim Haldern Pop Festival 2013. Foto: Smial/Wiki Commons
