Sonnenfinsternis 2026: Was wir erwarten können – und wie es 1999 war

Von

am

Deutschland, 11. August 1999, ich war zehn Jahre alt. Die Angst vor dem Jahrtausendwechsel liegt noch etwas vor uns und noch weiß keiner, dass sie gar nicht notwendig ist. Viel wichtiger ist jetzt sowieso ein Naturereignis, das so in der Form lange nicht mehr in Deutschland zu sehen sein wird: eine totale Sonnenfinsternis (SoFi).

Ich erinnere mich noch gut daran, wie dieses Ereignis medial begleitet wurde. Schon im Vorfeld wurde immer wieder darauf hingewiesen, ja nicht direkt in die Sonne zu blicken. Überall gab es kostenlose Brillen aus Pappe und Plastik. Es war ein Großereignis, das generationenübergreifend für Begeisterung sorgte, so zumindest in meiner Familie.

Totale Sonnenfinsternis 1999 und die Erwartungen

Doch wir wären nicht in Deutschland, wenn dieses Ereignis nicht auch für Staus auf den Autobahnen gesorgt hätte. Mehrere hundert Kilometer lang waren damals die Autoschlangen. Züge waren überfüllt und es mussten sogar Fahrgäste abgewiesen werden. Der Spiegel schrieb 2015 in einem Rückblick, dass sogar die Befürchtung war, Satelliten würden abstürzen, es werde Atomkatastrophen geben und das Tierreich werde im Chaos versinken. „Die ganze Welt schwelgte in apokalyptischen Fantasien“, formulieren es Katja Iken und Christian Neeb.

Glücklicherweise blieben die großen Katastrophen aus. Stattdessen bekam man in Deutschland nur relativ wenig von der Eklipse zu Gesicht. In vielen Regionen schmälerten dichte Wolken und Regenschauer die Sicht. „Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2000 Stundenkilometern sauste der Mondschatten vom britischen Cornwall nach Südwestdeutschland; um 12.29 wurde es in Saarlouis für zwei Minuten stockfinster. Kurz darauf wurde ein etwa 110 Kilometer breiter Streifen in Süddeutschland von der totalen Finsternis erfasst und für eineinhalb bis zwei Minuten in Dunkelheit getaucht“, fasst der Spiegel zusammen.

Europa und die totale Sonnenfinsternis 2026

Am Mittwoch, 12. August dieses Jahres wird es wieder eine totale Sonnenfinsternis über Europa zu sehen geben. Vielleicht liegt es daran, dass ich die abendlichen Nachrichten nicht mehr mit meinen Eltern vor dem Fernseher konsumiere oder auch daran, dass aus der totalen in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis wird, aber die allgemeine Begeisterung in der Gesellschaft hält sich noch in Grenzen. Kommentare wie – es gibt doch ständig eine Sonnenfinsternis zu sehen – schmälern bei vielen die Vorfreude.

Tatsächlich können pro Jahr vier, ganz selten fünf, Sonnenfinsternisse stattfinden, schreibt die Universität Wien, mindestens sind es allerdings zwei. Es gibt unterschiedliche SoFi. Eine ringförmige, bei der wie der Name schon sagt, ein strahlender Sonnenring zu sehen bleibt; bei einer partiellen bedeckt der Mond nur einen Teil der Sonne, und eine totale. Eine solche tritt ein, wenn der Mond größer erscheint als die Sonne. Wenn der Mond am größten ist und die Sonne am kleinsten, kann eine Sonnenfinsternis maximal sieben Minuten andauern. Das erlebt man allerdings nur in der Nähe des Äquators um die Mittagszeit, so die Universität.

Wie häufig kommen totale SoFi vor?

Klingt erstmal häufig, doch nicht überall auf der Welt sind diese totalen SoFi zu sehen. Daher verringert sich die Chance für manche Menschen, überhaupt im Leben eine zu sehen. Am 12. August werden Menschen, die sich in einem knapp 300 Kilometer schmalen Bogen an der Nordküste Sibiriens, am Nordpol, der Ostküste Grönlands und vor allem in Spanien und Island aufhalten, die Möglichkeit haben, dieses Ereignis am Himmel zu sehen. Die nächste totale wird in Deutschland erst wieder am 3. September 2081 zu betrachten sein.

Ein Blick nach oben lohnt sich dennoch. Etwa um 20 Uhr wird der größte Teil der Sonne vom Mond bedeckt sein, zumindest in Flensburg. Eine schmale Sonnensichel wird in Deutschland sichtbar bleiben. Alles südlicher als Flensburg muss sich etwas länger gedulden. In München beispielsweise wird die Teilfinsternis erst gegen 20.30 Uhr zu sehen sein, heißt es in einem Artikel der ARD. Je südlicher, ist in diesem Fall besser, denn im Norden wird die Bedeckung etwa bei 84 bis 88 Prozent liegen, im Südwesten sogar bei 90 Prozent.

Immer Augen vor Sonnenstrahlen schützen

Was sich nicht geändert hat – ob totale oder partielle Sonnenfinsternis: Man sollte nie ohne Brille in die Sonne blicken, das gilt auch an Tagen ohne Sonnenfinsternis. Eine Sonnenbrille ist dabei kein ausreichender Schutz. Da die Augenlinsen die Strahlen bündeln, können die Sonnenstrahlen die Netzhaut verbrennen. Und da die Netzhaut keine Schmerzen empfindet, merkt man das oft zu spät, erklärt der Spiegel. Während 1999 Schutzbrillen unter anderem in Zeitungen und Zeitschriften mitgeschickt wurden, muss man sie heute wohl eher kaufen. Online-Versandhandel bieten sie an, vielleicht noch der ein oder andere Optiker, Fotohandel oder Apotheker. Sie sollte dabei der DIN EN ISO 12312-2:2015 entsprechen.

Wichtig ist nicht nur der Schutz der Augen, sondern auch der richtige Ort. Die Sonne steht bereits zu Beginn der SoFi recht niedrig am Himmel. Experten empfehlen daher, dass der Blick gen Westen frei sein sollte. Natürlich bieten sich Hügel und Bergen an. In Städten sind es Brücken oder Kleingartenanlagen, so Uwe Pilz von der Vereinigung der Sternfreunde gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Sonnenfinsternis und Sternschnuppen in einer Nacht

Geduld zahlt sich aus: Hat man einen geeigneten Beobachtungsposten gefunden, sollte man dort noch ein bisschen ausharren. Denn der 12. August ist der Tag der Perseiden-Sternschnuppen. Sie sind der wohl bekannteste Sternschnuppenstrom. Experten halten allerdings oft die Geminiden im Dezember für schöner.

Bei den Perseiden können theoretisch bis zu 150 Sternschnuppen pro Stunde zu sehen sein. Theoretisch, denn auch hier kommt es auf die richtigen Bedingungen an. Für den perfekten Ausblick benötigt es Dunkelheit und Kaffee. Denn zwischen Mitternacht und 4 Uhr werden die meisten Sternschnuppen zu sehen sein, dann sogar 50 bis 100 Meteore pro Stunde, sofern kein künstliches Licht oder der Mond stören. Die Blickrichtung sollte etwa 20 bis 40 Grad abseits des Sternbilds Perseus liegen.

Vorschaubild: Hier eine ringförmige Sonnenfinsternis. Foto: Ramon Perucho/Pexels

Entdecke mehr von SCHÖNFREMD

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen