Achtung Spoiler: Solltest du die fünfte Staffel von „The Bear“ noch nicht gesehen haben, aber es noch vorhaben, dann lies bitte nicht weiter.
Seit 26. Juni ist die fünfte und damit letzte Staffel der Serie „The Bear“ bei Disney+ zu sehen und für Fans heißt es Abschied nehmen. Auch ich bin ein großer Fan der Serie, und zwar von Anfang an. Mit der letzten Staffel hat Christopher Storer die Serie emotional zu Ende gebracht und gezeigt, dass eine erfolgreiche Sendung nicht spektakulär und unrealistisch sein muss, um ihr Publikum mitzuziehen.
The Bear prämierte auf dem amerikanischen Markt im Juni 2022. In Deutschland ging es im Oktober los. Allein die erste Staffel wurde für zehn Emmys nominiert und gewann die Auszeichnung in drei Kategorien: bester Hauptdarsteller, beste Regie und bestes Drehbuch. Für Jeremy Allen White, der den Protagonisten Carmen „Carmy“ Anthony Berzatto spielt, sollte es nicht die einzige Auszeichnung bleiben. Für seine Rolle in The Bear erhielt er drei Golden Globes, noch einen Emmy und drei Screen Actors Guild Awards.
In jede Figur verliebt
Viele werden den Schauspieler durch seine Rolle in Shameless (hier spielte er Phillip „Lip“ Gallagher) kennen. In The Bear spielt er einen jungen Gourmet-Koch, der den Sandwich-Laden seines verstorbenen Bruders in Chicago retten möchte und letztlich zu einem hochklassigen Restaurant umwandelt. Mit dabei sind Richard „Richie“ Jerimovich, Sydney Adamu, Marcus Brooks, Tina Marrero, Natalie „Sugar“ Berzatto und Neil Fak. Letzterer wird von Matty Matheson gespielt und ist eigentlich gar kein Schauspieler, sondern kanadischer Chefkoch und einer der wohl komischsten, aber auch liebevollsten Charaktere der Sendung.
The Bear schafft es wie kaum eine andere Sendung, dass man nicht nur mit den Hauptcharakteren mitfiebert, sondern auch mit den Nebenfiguren, teils hochkarätig besetzt mit etwa Jamie Lee Curtis, Olivia Colman und Jon Bernthal, mitfühlt und sich in ihre liebevollen Eigenarten verliebt. Davon hat jeder Charakter mehr als genug. Umso schöner ist es, das Finale der Sendung zu sehen, das mit einem Hoch für das Restaurant und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter endet.
Während Staffel drei und vier teils sehr schwerfällig, fast langweilig daher kamen, hat es die fünfte in sich. Sie ist spannend und emotional, geht doch jede Menge schief. Fast die gesamte Staffel dreht sich um diesen einen Service, bei dem das Wetter nicht mitspielt, ein Rohr- und Dachbruch im Restaurant für Chaos sorgen und das mangelnde finanzielle Budget für Engpässe in der Küche sorgen. Noch dazu sind viel mehr Reservierungen eingegangen als eigentlich machbar. Doch genau in diese Folgen spielen die langsamen Folgen der zwei Staffeln zuvor rein.
Die Serie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie die komplexen Beziehungen der Figuren teils minuziös beleuchtet. Köchin Jessica, gespielt von Sarah Ramos, trifft es mit ihrer Aussage perfekt: „Alle, die hier arbeiten, haben eine Persönlichkeitsstörung.“ Und doch zeigt sich zum Ende, dass sie perfekt zusammenarbeiten, um etwas Großes zu schaffen: eine Familie.
Der Stress wird belohnt
Ja, die Serie hätte auch früher enden oder sich so manche Folge sparen können. Trotzdem hatten die scheinbar unnötigen Folgen einen Zweck. Sie zeigten das Leben der Charaktere, wie es nun mal auch im echten Leben ist: Mit Momenten, in denen nichts passieren zu scheint, weil auf etwas hingearbeitet wird und das ist im Falle von The Bear das Ende von Carmy als Koch und zwei Michelin-Sterne für das Restaurant.
Hinzukommen viele zwischenmenschliche Entwicklungen, welche die Beziehungen der Personen zeigen und einen mit einem guten Gefühl zurückblicken lassen. Der Frust, der Stress, den man selbst als Zuschauerin verspürt hat und die unter anderem durch eine teils unruhige Kameraführung, viel Gefluche und Streits geschaffen wurden, waren es am Ende wert. Mit der letzten Folge schaffen die Serienmacher ein rührendes Happy End, ohne kitschig zu werden. So sieht man in einer der letzten Szenen Carmy seinem verstorbenen Bruder eine Nachricht auf dem Handy schreiben: „All good“. Und mit diesem Gefühl verlässt einen The Bear.
Emmy-Nominierungen für The Bear
Dass dies auch die Television Academy so sieht, zeigen die diesjährigen Emmy Nominierungen. The Bear wurde für fünf Kategorien ausgewählt: Der verstorbene Rob Reiner wurde für „Outstanding Guest Actor in a Comedy Series” nominiert, Jamie Lee Curtis wurde für das weibliche Pendant nominiert, Ayo Edebiri könnte sich bald über einen Emmy als beste Hauptdarstellerin freuen sowie Christopher Storer über „Outstanding Directing”. Die Serie selbst wurde zudem für „Outstanding Comedy Series” nominiert, wobei immer noch debattierbar ist, ob sie wirklich eine Comedy Serie ist. Wie viele Preise die Serie erhalten wird, zeigt sich am 15. September.
Weltberühmtes T-Shirt aus dem Schwabenländle
Fun Fact: Das weiße T-Shirt das Carmy schon in Staffel 1 und auch in der letzten Staffel trägt, hat Kultstatus erreicht. Wie viele der Kleidungsstücke des Kochs. Doch das T-Shirt stammt aus dem Schwabenländle, nämlich von „Merz b. Schwanen“ aus Albstadt in Baden-Württemberg. Der Betrieb wurde vom Berliner Modedesigner-Paar Plotnicki wieder zum Leben erweckt. Nicht nur in „The Bear“ sind Produkte aus der Albstädter Fabrik zu sehen, sondern auch in „Peaky Blinders“ und in „Babylon Berlin“.
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