Keine Sorge, das wird nicht die nächste DIY-Anleitung, sondern eine Einschätzung, ob sich Möbel selbst bauen wirklich noch lohnt. Ich bin in einem handwerklichen Haushalt groß geworden. Als Tochter eines Elektrikers wurden defekte Geräte immer erstmal auseinander gebaut. Natürlich durften auch heraushängende Kabel aus Wänden nicht fehlen – Gleichgesinnte werden verstehen, was ich meine. Der Ausbau des Dachs, um den Kindern eigene Zimmer zu ermöglichen, wurde Geld sparend hauptsächlich von meinem Vater übernommen.
DIY-Möbel mit dem nötigen Werkzeug
So war es für mich schon in jungen Jahren klar, dass man sich Möbel auch selbst bauen kann. Vor allem, wenn man im Zimmer mit Dachschräge individuelle Lösungen benötigte. Einen Bauplan und einen Holzeinkauf später wurde losgelegt. Der handwerkliche Papa hat sich über die Jahre schließlich ein beachtliches Arsenal an Equipment angelegt.
Und genau da liegt ein Knackpunkt: DIY-Möbel sind natürlich sehr viel einfacher zu bauen, wenn man das nötige Werkzeug hat. Muss man es sich leihen oder anderweitig behelfen, kann es mitunter ins Geld gehen oder es verlängert die Arbeitszeit, die zwar nie mitgerechnet wird, wenn man alles selbst macht, die aber schon das ein oder andere Projekt zum Scheitern verurteilt hat.
Holzpreise sind gestiegen
Mittlerweile liegt der Hauptkostenpunkt allerdings beim Material. Vergleicht man beispielsweise die Holzpreise mit den Preisen für ein fertiges Möbelstück von einem großen schwedischen Möbelhaus oder anderen Möbel-Discountern dann muss man leider sagen, kann man das Selbstbauen meist gleich lassen.
Zum Vergleich: Mein Partner hat kürzlich ein Bett für unser Kleinkind gebaut. Ein Bodenbett mit Himmel, passgenau unter die Dachschräge der Mietwohnung sollte es werden. Materialpreis (Holz, Schrauben und Lattenrost): zirka 300 Euro. Arbeitszeit: etwa 1,5 Tage mithilfe von Opa. Der ursprüngliche Plan, das Bett zu lackieren wurde verworfen, das spart auch nochmal Geld. Vergleichbare Betten gibt es allerdings sogar schon unter 200 Euro. Allerdings wurde bei den Materialien fürs selbst gebaute Bett auf naturbelassene Hölzer in guter Qualität geachtet.
Die Imperfektion des Selbstgebauten
Was wir finanziell draufgelegt haben, macht die Imperfektion des Selbstgebauten wieder wett. Spaß beiseite: Wenn man kein Profi ist, darf man am Ende keine Perfektion erwarten und sollte sich bewusst sein, dass man mit der ein oder anderen Macke oder krumm gesägten Kante leben muss, vor allem bei lebendem Material wie Holz und besagtem Mangel an fürs Projekt spezifischen Werkzeugen. Dafür weiß das Kleinkind genau, welche Schraube Opa und welche Papa festgezogen haben, und hat entsprechend jede einzelne mit seinem Spielzeugwerkzeug nachgezogen.
Kleiner Tipp: Es lohnt sich, auch einfach mal beim lokalen Schreiner oder Holzfachhandel nachzufragen. Individuelle Lösungen, nachhaltige Materialien, die nicht aus schützenswerten Wäldern und Urwäldern stammen, sondern oft aus heimischen Wäldern, sind je nach Möbel schon für vergleichbare Preise zu erhalten. Was man gerade aber bei größeren Projekten mehr zahlt, wird bei großen Konzernen an Nachhaltigkeit, Qualität, Individualität, fairem Gehalt und oft Lebensdauer gespart.
Vorschaubild: Azra Melek/Pexels
